Tibetische Heiltradition

     
 

In Zentralasien galt Tibet schon immer als Land der Medizin. Die tibetische Medizin zählt zu den ältesten angewandten Medizinsystemen der Welt und reicht Jahrtausende zurück. Sie entwickelte sich aus den wichtigsten traditionellen Medizinsystemen Asiens; dem indischen Ayurveda, der ursprünglichen chinesischen Medizin, der Unani der alten Griechen und der lokalen Bön Tradition.

Die komplexe Struktur der tibetischen Medizinwissenschaft steht in sehr naher Verbindung mit der buddhistischen Philosophie und verwendet differenzierte Methoden von Diagnose und Behandlung sowie hochentwickelte ethische Prinzipien.

In der buddhistischen Philosophie ist Unwissenheit die Ursache allen Leidens. In der tibetischen Medizin wird Unwissenheit als schlussendliche Ursache von Krankheit angesehen. Unwissenheit lässt Anhaftung, Hass und Verblendung entstehen, welche wiederum die langfristigen Ursachen für Ungleichgewicht in den sogenannten drei Zuständen bilden, welche das Energiesystems des Körpers ausmachen: rLung (Wind), mKhris-pa (Galle) und Bad-kan (Schleim). Die vier kurzfristigen Ursachen für das Ungleichgewicht dieser drei Zustände sind Essgewohnheiten und Lebensstil des Patienten, Jahreszeiten und der Einfluss von Geistern.

Die Diagnose entsteht durch Beobachtung; fühlen des Pulses, Analyse des Urins und durch Befragung des Patienten. Ziel der tibetischen Medizin ist es , die Ursache der Krankheit (nicht die Symptome) zu heilen. Dies geschieht, indem die individuelle Balance zwischen den drei Zustände wiederhergestellt wird.

Die Tradition der tibetischen Medizin gehört zu den grossen Kulturschätzen der Welt. Sie wird heute immer noch so praktiziert wie zu alten Zeiten und passt sich gleichzeitig den Bedürfnissen des modernen Zeitalters an.

 

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